Wenn Begriffe wie „Bauernsterben“, „Strukturwandel“ oder „Dienstleistungsgesellschaft“ durch den Blätterwald rauschen, dann liegt für den Leser der Schluss nahe, dass der Agrarsektor in Deutschland eine unbedeutende Schrumpfbranche ist. Doch weit gefehlt: Die Land- und Forstwirtschaft ist nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Zwar arbeiten heute nur noch gut zwei Prozent aller Erwerbstätigen im Agrarsektor. Allerdings sind diese Menschen sehr produktiv: In der Summe erwirtschafteten die deutschen Land- und Forstwirte und die Fischer im Jahr 2006 einen Produktionswert von 49,3 Milliarden Euro. Damit lassen sie viele andere Branchen locker hinter sich, wie beispielsweise das deutsche Textil- und Bekleidungsgewerbe (23,2 Mrd. Euro), das Papiergewerbe (33,6 Mrd. Euro) oder die Hersteller von Büromaschinen und Datenverarbeitungsgeräten (13,4 Mrd. Euro).
Damit nicht genug: Die Landwirtschaft ist ein guter Kunde für zahlreiche andere Sektoren, die Einkäufe und Investitionen der Landwirte stützen die übrige Wirtschaft. Landwirte brauchen Betriebsmittel wie Dünger, Saatgut, Öle, Schmierstoffe. Lieferanten dafür sind oft kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe. Zudem kaufen Landwirte Investitionsgüter wie Traktoren oder Stallgebäude. Damit sind sie wichtige Kunden der Agrartechnikindustrie.
Viele landwirtschaftliche Unternehmer nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und produktionstechnischen Fragen über Wartungsarbeiten bis hin zur Tiergesundheit und Qualitätsüberwachung der Erzeugung. Fazit: Landwirte sind wichtige Nachfrager für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsbereich. Mit ihrer Nachfrage sichern sie dort Tausende von Arbeitsplätzen.
In Zahlen ausgedrückt: Deutschlands Land-, Forst- und Fischwirte fragten im Jahr 2006 für ihre Unternehmen Güter und Dienstleistungen im Wert von 33,6 Milliarden Euro nach. Davon entfielen knapp sieben Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen. Übrigens: Für ihren privaten Konsum gaben Deutschlands Landwirte 2006 zusätzlich fast acht Milliarden Euro aus.

